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Service-Tipps

Sommeridylle trügt: Unterschätzte Wildgefahr

Das frische Grün und die Sonne locken zu Ausflügen, bergen im Dickicht aber ein oft vergessenes Risiko für euer Auto. Wenn im Frühsommer die Brut- und Setzzeit ihren Höhepunkt erreicht und nahtlos in die sommerliche Paarungszeit übergeht, gerät die Tierwelt in Aufruhr. Erfahrt hier, warum die gesamten Sommermonate eine kritische Phase auf den Straßen sind und wie ihr euer Fahrzeug vor unsichtbaren Unfallfolgen schützt.

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Ein vertrauter Anblick mit neuem Risiko: Im Sommer treiben Ernte und Paarungszeit das Wild vermehrt hinter den Warnschildern hervor. Bild: SP-X

Die meisten Menschen verbinden die Gefahr von Wildunfällen automatisch mit nebligen Herbsttagen. Doch der Schein trügt gewaltig, denn die warme Jahreszeit verwandelt die heimischen Wälder und Felder in eine echte Gefahrenzone. Im Juni hinterlassen zunächst die Wochen der Brut- und Setzzeit ihre Spuren in der Natur, da unzählige Jungtiere wie Kitze, junge Füchse oder Dachse ihre Umgebung erkunden. Gleichzeitig raubt die einsetzende Heu- und Getreideernte den Tieren abrupt ihre schützende Deckung. Kaum ist der Nachwuchs aus dem Gröbsten raus, folgt im Hochsommer ab Juli die Brunftzeit des Rehwilds. Getrieben von Hormonen jagen die Tiere im Liebesrausch völlig kopflos über den Asphalt und direkt vor eure Motorhaube.

Unerfahrene Springer
Während dieser sommerlichen Monate verhalten sich die Tiere grundlegend anders als im restlichen Jahr. Normalerweise meiden sie das Tageslicht und überqueren Straßen vorwiegend in der Dämmerung. Jetzt aber müsst ihr zu jeder Uhrzeit mit plötzlichem Wildwechsel rechnen. Die Jungtiere im Juni besitzen noch keinerlei Erfahrung mit dem Straßenverkehr, während die erwachsenen Rehböcke im Juli und August im Liebesrausch die Umgebung komplett ausblenden. Bremst ihr für ein Tier ab, ist die Situation meist noch nicht bereinigt. Fast immer folgen weitere Familienmitglieder oder paarungswillige Nachzügler in geringem Abstand nach. Fuß vom Gas und höchste Aufmerksamkeit lauten daher die wichtigsten Gebote auf Landstraßen im Sommer.

Richtig reagieren
Taucht plötzlich ein Wildtier im Scheinwerferlicht oder am Fahrbahnrand auf, entscheiden Sekundenbruchteile über den Ausgang der Situation. Fernlicht sofort abblenden und hupen, um das Tier zu verscheuchen. Ein greller Lichtkegel blendet die Augen der Rehe massiv, wodurch sie starr auf der Straße stehen bleiben. Lässt sich ein Zusammenstoß trotz Vollbremsung nicht mehr verhindern, haltet das Lenkrad unbedingt gerade und fest. Riskante Ausweichmanöver bergen ein extrem hohes Risiko. Der Gegenverkehr oder der nächste Baum am Straßenrand enden bei einem unkontrollierten Ausweichversuch meist deutlich fataler als der Aufprall mit dem Wildtier.

Unsichtbare Schäden
Nach einem Zusammenstoß steht die Sicherheit an erster Stelle. Sichert die Unfallstelle ab und verständigt umgehend die Polizei oder den örtlichen Jäger, um eine Wildunfallbescheinigung für eure Versicherung zu erhalten. Selbst wenn der Aufprall glimpflich wirkte und nur eine kleine Schramme in der Kunststoffschürze zu sehen ist, lauert die eigentliche Gefahr direkt darunter. Moderne Fahrzeuge verbergen hinter ihren Stoßstangen hochempfindliche Sensorik. Radaraugen, Kamerasysteme und Abstandshalter für den Notbremsassistenten oder den Abstandstempomaten quittieren schon minimale Erschütterungen mit Fehlfunktionen.

Technik kalibrieren
Ein leichter Rempler verschiebt die Halterungen dieser Sensoren im Bruchteil eines Millimeters. Das System blickt dadurch im falschen Winkel auf die Fahrbahn. Euer Auto erkennt Gefahren im Ernstfall entweder zu spät oder leitet ohne Grund eine Gefahrenbremsung ein. Nach jedem Wildkontakt gehört das Fahrzeug deshalb in die Hände einer Fachwerkstatt. Die Profis prüfen die empfindliche Elektronik, lesen den Fehlerspeicher aus und kalibrieren die Assistenzsysteme mit speziellen Diagnosegeräten präzise neu. So stellt die Werkstatt sicher, dass eure Schutzengel an Bord auch bei der nächsten Fahrt wieder fehlerfrei funktionieren und euch verlässlich schützen.